Literatur und Musik
Sehen Sie auch Kultur.
Die Literatur
Auch die Literatur gehört heute durchaus
zu den Exporterfolgen Brasiliens. Dichter der Kolonialzeit mit
bemerkenswerten Bekanntheitsgrad waren Pater José de Anchieta (1534 – 1597),
der seine autos sacramentis (Geistliche Spiele) auch in der unter Missionaren
gebräuchlichen Verkehrssprache Tupí-Guaraní verfasst hat, oder Gregório de
Matos (1633 – 1696), der sich mit seinen Satiren Deportation und Gefängnis
einhandelte.
Die Sklaverei behandelte Antônio
de Castro Alves (1847 – 1871) in seinen Werken, für die Kultur der Indios
begeisterte sich Antônio Gonçalves Dias (1823 – 1864). José de Alencar
(1829 – 1877) wurde als Autor einer Reihe volkstümlicher Bücher („Iracema“,
„O Guarani“) und vor allem durch seinen historischen Roman „As Minas de
Prata“ bekannt. Vielgelesene Vertreter der Romantik sind Joaquim Manuel
de Macedo (1820 – 1882), der den Gesellschaftsroman „A Moreninha“
verfasste, sowie Alfredo D’Escragnolle Taunay (1843 – 1899) mit seinem
Hauptwerk „Inocência“.
Als brasilianischer Meister des sozialkritischen
Romans gilt Machado de Assis (1839 – 1908) mit Prosa-Werken wie „Memórias
Póstumas de Brás Cubas“, „Quincas Borba“ und „Dom Casmurro“. Um eine
wirklichkeitsgetreue Schilderung der Aufstände im Nordosten bemühte sich
Euclides da Cunha (1866 – 1909) in seinem Erfolgswerk „Os Sertões“
(„Krieg im Sertão“). Als „eine Rhapsodie, kein Roman“ beschreibt
Mário de Andrade aus Minas Gerais (1893 – 1945), literarischer
Vertreter der Moderne, selbst sein Epos „Macunaíma“ („Macunaíma. Der
Held ohne jeden Charakter“). Von einfacher Sprache wie poetischem Witz geprägt
ist sein Gedichtband „Pau Brasil“. Vertreter einer allgemeineren Lyrik
waren Carlos Drummond de Andrade (1902 – 1987) und Manuel Bandeira (1886 –
1968), beide auch aus dem Staat Minas Gerais.
Als ein für die brasilianische Literatur
bahnbrechenden Erzähler der Neuzeit gilt João Guimarães Rosa (1908 –
1967) aus Minas Gerais, dessen bekanntestes Werk „Grande Sertão:
Veredas“ sich mit dem östlichen Hinterland befasst. Gilberto Freyre (1900 –
1987), Kulturphilosoph und Begründer der modernen brasilianischen Soziologie,
legte mit seinem berühmten Buch „Casa Grande & Senzala“ („Herrenhaus
und Sklavenhütte“) eine stilistisch meisterhafte, aber nicht unumstrittene
Studie der brasilianischen Gesellschaft vor.
Zum
Auflagenmillionär mauserte sich Jorge Amado, dessen Romane in mehr als 30
Sprachen übersetzt sind. Besonders in seinen frühen Romanen wie dem Welterfolg
„Gabriela wie Zimt und Nelken“, „Das Land der goldenen Früchte“ oder
„Nächte in Bahia“ schildert er die Entwicklung der Kakaoregion südlich von
Salvador und das von afrikanischen Einflüssen so bestimmte Leben Bahias.
Ebenfalls zu den bekanntesten brasilianischen Schriftstellern der Gegenwart
zählt João Ubaldo Ribeiro, auch aus Bahia. Seine Romane „Brasilien,
Brasilien“ und „Das Lächeln der Eidechse“ wurden in die wichtigsten
Kultursprachen übersetzt. Nicht zu vergessen ist noch der aus Rio de Janeiro
Paulo Coelho mit seinem weltberühmten Werk „Der Alchimist“.
Es ist faszinierend, wie leichtfüssig Ribeiro durch Zeiten und Räume
und soziale Klassen führt. "Brasilien, Brasilien" ist ein Epos, das
konzentrisch das Dilemma dieser Nation umkreist. Ribeiro schreibt gegen die offizielle
Geschichte an, aber nicht eifernd verbohrt, sondern mit lässigen Witz (Frankfurter
Rundschau über João Ubaldo Ribeiro, ein bekannter Brasilianischer Schriftsteller).
Wenn der Leser das Buch zuschlägt, ist er benommen vom Ausmass des
nationalen Fehltritts, den er dank der packenden Schilderung miterlebt, riecht und
anfasst... (Mario Vargas Llosa über Euclides da Cunha, Krieg im Sertão).
Hier sind sie alle versammelt: die Autoren des Literaturkontinents
Lateinamerika. Mehr als 1000 Schriftstellerpersönlichkeiten werden mit kurzen
Werkanalysen und vielen biographischen Informationen vorgestellt. Ein Nachschlagewerk für
Kenner und eine Orientierungshilfe für Leser, für die diese Literatur noch zu entdecken
ist (Herausgegeben von Dieter Reichardt).
Ein mitreissender Thriller, in dem sich Fiktion und historische
Wirklichkeit vermischen... was die Tropicalisierung von Sherlock Holmes angeht, so ist sie
ganz einfach unwiderstehlich (Le Figaro über Jô Soares, Sherlock Holmes in Rio).
Musik im Blut: Kein
Klischee
Kaum ein anderes Land der Welt verfügt
über einen derart reichen und vielfältigen Fundus an Volksmusik, keine
Musikszene ist so kreativ wie die brasilianische. Brasilianer haben die Musik im
Blut.
In den einzelnen Regionen haben sich ganz
unterschiedliche Formen der Musik ausgebildet. Im armen Nordosten etwa ist der Forró
beliebt und der Tropicalismo geboren. Im schicken Rio ist der Chorinho
verbreitet und der Bossa Nova entstanden. In den Slums von Bahia wird
afrikanischer Lundu getrommelt, vor Fachwerkhäusern in Santa Catarina
mitunter bayerisch gejodelt.
Brasilien hat auch eine reiche Tradition
an dramatisierten Tänzen wie etwa Congo oder Bumba-Meu-Boi im
Staat Pará oder Maranhão. Ein Vermächtnis der Sklavenzeit ist der Kampf-Tanz Capoeira
im Staat Bahia. Obwohl in Brasilien schon längere Zeit verbreitet, trat der Lambada
seinen Siegeszug im Land erst an, nachdem der in Europa Ende der achtziger Jahre
die Hitparaden gestürmt hatte.
Zu den renommierten Vertretern der E-Musik
gehört unter anderem der Komponist Carlos Gomes (1836 – 1896), der in der
Kolonialzeit mit seinen Opern im zeitgenössischen italienischen Stil von sich
reden machte. Berühmt wurde er mit seinem Werk „Il Guarany“, das 1994 in
Bonn mit Placido Domingo in der Titelrolle seine deutsche Erstaufführung
erlebte. Als moderner „Klassiker“ gilt der Komponist Heitor Villa-Lobos
(1887 – 1959), dessen Sinfonien, Opern, Klavierkonzerte oder Streichquartette
durch eine Mischung europäischer Ausdrucksformen mit Themen und Rhythmen der
brasilianischen Música Popular gekennzeichnet sind.
Der Samba mit seinen verführerischen
Rhythmen bleibt die für Brasilien typischste Musik. Tatsächlich sind Samba
und Brasilien untrennbar verbunden, undenkbar ein Karneval in Rio ohne Samba
Enredo.
Zu bekanntesten Interpreten und
Komponisten der brasilianischen Musik zählen João Gilberto, Antonio Jobim, Vinícius
de Morais, Baden Powell, Gilberto Gil, Milton Nascimento, Caetano Veloso, Elis Regina und Chico Buarque. Ihren ersten internationalen Star
hatte die Música Popular Brasileira mit Carmen Miranda, die 1929 bei
einem Schlagerfestival in Rio entdeckt wurde und später in Hollywood Karriere
machte.
Heute
tauchen immer mehr Pop-Rock-Bands in Brasilien auf. Städte wie Belo
Horizonte, São Paulo, Brasília und Rio de Janeiro tragen überwiegend dazu
bei.